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Erstens kommt es anders und zweitens ist schon wieder Fischereihafenrennen Drucken E-Mail
Geschrieben von Trainingsfrei   
Sonntag, 06. Juni 2010
Die allgemeine Wirtschaftskrise ging auch an mir nicht spurlos vorüber.
Nach über einem Jahr Kurzarbeit muss man leider auch als ambitionierter Supermotofahrer, ohne Sponsoren, Abstriche machen.

Da mein Streitroß vor dem ersten Training oder Rennen unbedingt eine Fahrwerksüberholung benötigte da sonst bessere Platzierungen als 2009 undenkbar wären wurden sämtliche Planungen für den Ü40–Cup 2010, den Harz-Forrest Cup und das 53. Bremerhavener Fischereihafenrennen eingestellt und auf bessere wirtschaftliche Verhältnisse 2011 gehofft.

Aber... ein Fischereihafenrennen ohne mich geht ja mal gar nicht.
Also Plan B und als Berichterstatter und Pixelfroster für das Magazin Supermoto-Aktuell und das BlackBerry-racing team anreisen. Die Wetterfrösche im Internet hatten es angedroht... 

Mit jedem Kilometer weiter in Richtung Norden wird das Wetter etwas schlechter. Bremerhaven empfängt mich um 8.00Uhr mit 11° und Nebel. Der Radiosprecher erzählt was von Strandwetter. Sofort wandert mein Blick zwischen Radiodisplay und Navi hin und her um zu überprüfen was hier nicht stimmt. Mhhhhh... das Navi sagt ich befinde mich in Bremerhaven und auf dem Radiodisplay wird Bremen1 angezeigt. Also entweder der Radiosprecher sitzt im dunklen Kämmerchen ohne Fenster, seine Kollegen haben Ihn mit falschen Infos gefüttert und lachen sich jetzt schlapp oder der Typ ist grenzenloser Optimist.

Da noch niemand vom BlackBerry racing-team zu sehen ist und ich nicht weiß wo auf der Händlermeile die Ihren Stand aufbauen beschließe ich schon mal die Presseformalitäten hinter mich zu bringen. Die Nordlichter haben aber die Ruhe weg. Um 9.00Uhr, das Rennbüro hat schon fast ne Stunde geöffnet, empfängt mich der Veranstalter mit dem Satz: „...iss ja noch en büschen früh, für die Presse iss noch niemand da!“.

Mittags ist der Pressekram erledigt, den Presseausweis bekomme ich aber erst zur Fahrerbesprechung am Abend da der noch eingeschweißt werden muss. Der Hinweis des Pressekoordinators, nein es ist nicht der gleiche wie beim ADAC, das 10 Tage vor Rennen eigentlich Nennungsschluss für die Presse ist bringt mich auch nicht weiter. Ich hatte das zwar im Internet gelesen es aber verpennt mir rechtzeitig einen Redaktionsauftrag von Supermoto-Aktuell schicken zu lassen.

Die BlackBerry-Truppe hat das Motto „Klotzen statt kleckern“ ausgegeben und stampft einen 70qm Stand auf der Händlermeile aus dem Boden.

Nach zwei Bier beschließe ich gegen 21.00Uhr in den Schlafsack zu kriechen. Zum einen war der Tag lang und zum anderen laden die Temperaturen, es muss unter 10° sein, nicht zum gemütlichen zusammensitzen ein. Irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los das viele Alt-68er unter die Rennfahrer gegangen sind, es weht ein unverwechselbarer Marihuanageruch über das Fahrerlager.

Sonntag 23.05. (Trainingstag):

Gott ist Biker!!

Das muss einfach so sein weil die Sonne ab morgens schon vom Himmel lacht. Wenn es jetzt noch etwas wärmer wird und der eisige Nordwind nachlässt könnte dies ein fast perfekter Trainingstag werden.

Entweder sind Strecke und Bikes schneller geworden oder die Fahrer dies Jahr risikoreicher. In den Klassen die ich mir ansehe (Supermoto, SuperSport 600 und Fischtown Super Bike Open) werden die Top-Zeiten des letzten Jahres pulverisiert. Im Schnitt wird in diesen Klassen in den Top 5 gute 2 Sekunden schneller gefahren als 2009. Dies hat aber zur Folge das in fast jeden Trainingslauf ein Abbruch erfolgt und das Streckensicherungsteam zum Einsatz kommt.

An dieser Stelle füge ich die Berichte der Trainings die ich für Supermoto-Aktuell und das BlackBerry racing-team geschrieben habe ein:

Zeittraining SuperSport 600:
Konnte sich Samuel Kielbassa im ersten Training noch gegen Stefan Wauter behaupten wurde er im zweiten Zeittraining von einem technischen Defekt gezwungen das Training vorzeitig zu beenden. Diese Chance ließ sich Stefan Wauter nicht entgehen und platzierte sich mit einer 0,1 Sekunde schnelleren Rundenzeit vor Samuel Kielbassa. Stefan Wauter ging somit von Startplatz 10 aus Reihe 3 ins Rennen. Samuel Kielbassa schaffte es mit seiner Rundenzeit aus dem ersten Zeittraining auf Startplatz 12 in Reihe 4.
 

Zeittraining Fischtown Super Bike Open:

Erdin Mehanovic, unerfahren mit Straßenkursen, nutze das freie und die Zeitrainings um sich an die Strecken- und Gripverhältnisse auf dieser schnellen Strecke heranzutasten. Umso höher ist der erreichte Startplatz 22 in dieser stark besetzten Klasse mit 50 angetretenen Fahrern einzuordnen.

Supermoto Zeittraining:

Das erste Zeittraining ging bei noch kühlen Streckentemperaturen am Mittag über die Bühne. Alle Fahrer tasteten sich langsam an das machbare heran und hielten die Zuschauer mit dem supermototypischen Fahrstil in Atem. Dirk Hinrichs (#20) schaffte es auf seiner Husaberg kurz vor Trainingsende nicht mehr die Physik zu überlisten und kam kurz vor der „Laola-Kurve“ zu Fall was einen Trainingsabbruch nach sich zog.

Um 17.30Uhr folgte das zweite Zeittraining, die letzte Chance sich in der Startaufstellung noch weiter nach vorne zu schieben. Patrick Zurfluh (#11) aus der Schweiz stellte hier klar das er den Sieg fest eingeplant hatte. Er fuhr bei diesem Training über 2 Sekunden schneller als im ersten Zeittraining und stellte seine KTM 450 SMR mit einer Zeit von 1:16.587 auf die Pole Position. Eine Zeit die selbst in der Top-Klasse Fischtown Super Bike Open noch für Startplatz 8 gereicht hätte. Die erste Reihe komplettiert wurde durch Rolf Baumann (#199) auf Suzuki RMZ 450, Simon Lange (#79) auf Aprilia SVX 550 und Thorsten Meyer (#66) auf einer KTM SX 525.

Kaum ist das letzte Training gefahren hat man das Gefühl das die Bürgersteige hochgeklappt werden. Sämtliche Fressbuden, Bierstände und Aussteller auf der Händlermeile schließen Ihre Stände. Was von der Band aus dem Festzelt im Fahrerlager zu hören ist scheint auch nur unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ertragbar zu sein. Also spare ich mir den Weg und begebe mich mit den Fahrern und Mechanikern vom BlackBerry racing-team in die Laberecke. Heiß diskutiert wird die Vorbereitung der Bikes für das morgige Rennen. Das Internet droht mit Regen, der Radiosprecher spricht von zeitweise Sonne.

Ob die den Radiosprecher noch immer im fensterlosen Raum eingeschlossen haben?

Für einen Scherz geht die Geschichte aber eigentlich schon zu lange. An 36 Stunden-Schichten mag ich bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht glauben. Wir werden uns also überraschen lassen müssen wie das Wetter am Renntag nun wirklich wird. Ein Anruf beim Zwerg trägt auch nicht gerade zur Erheiterung bei. Wir sitzen schon in dicker Jacke im Fahrerlager und sie rennt zu Hause noch im T-Shirt rum.

Na dann... gute Nacht!

Montag 24.05. (Renntag):

Beim ersten Blick aus dem Wemsbus kommt der Gedanke auf das mich in der Nacht jemand umgeparkt hat, draußen sieht es nach echt englischem Wetter aus. Eine Welt die nur aus grautönen besteht. Der zweite Blick bestätigt aber das ich immer noch im Bremerhavener Fahrerlager stehe. Drei Kaffee später füllen sich langsam die Zuschauerränge rund um die Rennstrecke. Heute ist Renntag, ein fast schon gesellschaftliches „muss“ im sonst kühlen Norden. Fast zeitgleich mit dem Aufruf zum ersten Rennen des Tages an das Fahrerlager blinzelt die Sonne durch den dichten Dunst. Sollte Petrus die Wetterfrösche wirklich lügen schimpfen und der Renntag trocken über die Bühne gehen? Den Fahrern und Mechanikern wäre es zu wünschen.

An dieser Stelle übernehme ich wieder die Rennberichte:

Rennen 1 SuperSport 600:

Samuel und Stefan können Ihre Erfahrung bei in unzähligen Rennen optimal umsetzen und gewinnen beim Start direkt einige Plätze. Stefan kommt aus der ersten Runde als 7., Samuel als 8. über Start/ Ziel. Der Drang nach vorn ist bei beiden Fahrern deutlich zu erkennen. Im Laufe des Rennens tauschen beide Fahrer die Plätze und kommen auf den Plätzen 7. und 9. durchs Ziel. Der Rennfight mit einer Triumph Street Triple kostete soviel Zeit das der auf Platz 6 liegende Fahrer trotz aller Anstrengungen nicht mehr eingeholt werden konnte.

Rennen1 Fischtown Super Bike Open:

Beim Start kann Erdin sich nicht verbessern und kehrt aus der ersten Runde auf Platz 20 zurück. In der zweiten Runde hat er zwei Gegner überholt als das Rennen wegen einem Unfall in der zweiten Kurve abgebrochen wird.

Rennabbrüche sind in Bremerhaven fast normal. Da die Strecke an gefährlichsten Punkten durch drei Meter hohe Strohballenwände begrenzt ist sorgt jeder Ausrutscher dafür das zur Sicherheit der Fahrer die Strohballen neu gesetzt werden müssen. Um das Streckensicherungsteam nicht zu gefährden wird somit das Rennen unterbrochen und nach Wiederherstellung der Rennstrecke fortgesetzt.

Beim Neustart kann Erdin in der ersten Runde gleich einen Platz gewinnen. In der dritten Runde nach dem Neustart hat sich Erdin auf Platz 18 vorgekämpft und beginnt der vor Ihm liegenden BMW-Fahrer anzugreifen als das Rennen nach einem weiteren Unfall entgültig abgebrochen wird. Erdins gefahrene Rundenzeiten waren für eine Platzierung um Platz 12 gut. Sollte der Start im besser funktionieren und kein Rennabbruch erfolgen müsste ein besseres Ergebnis im zweiten Rennen realisierbar sein.

Supermoto, Rennen 1:

Um 9.40Uhr stand das erste Rennen der Klasse 8 Supermoto an. Hektischer Reifenwechsel kurz vor dem Rennstart musste nicht sein, die Sonne lachte vom Himmel und auch der kalte Wind hatte etwas nachgelassen. Fast optimale Bedingungen für ein Rennen auf dieser Mutstrecke. Auf keiner anderen Rennstrecke müssen die Maschinen so brutal vor einer Kurve zusammengebremst werden. Auf den drei längsten Geraden erreichen die Supermotos eine Geschwindigkeit von fast 150km/h bevor es in eine 90°-Kurve geht. Da es in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Stürzen kam hat das seit 2009 verantwortliche, österreichische, Streckensicherungsteam an den gefährlichsten Stellen Notausgänge eingerichtet.

Von 35 beim Zeittraining qualifizierten Fahrern standen 28 in der Startaufstellung zum ersten Rennen. Den Start gewann, fast erwartungsgemäß, Patrick Zurfluh vor Rolf Baumann. Nach einer Runde musste das Rennen nach einem Highsider von Michael Bendig auf seiner Bergos Husquarna unterbrochen werden. Tragisch dabei, der gestürzte Fahrer wird von nachfolgenden Maschinen angefahren.

Ein Hinweis schon an dieser Stelle: Es kam bei keinem Sturz an diesem Wochenende zu wirklich schweren Verletzungen.

Den Restart gewann wiederum Patrick Zurfluh vor Rolf Baumann. Durch einen Fahrfehler verlor der Führende 3 Plätze und kam in Runde 2 nach dem Restart an 4. Stelle liegend durch die „Laola-Kurve“. Da auch Simon Lange auf seiner Aprilia einen Platz verlor führte nun Rolf Baumann vor Thorsten Meyer. In den nächsten Runden startete Patrick Zurfluh eine sehenswerte Aufholjagd, erobert die Spitze zurück und gewann das Rennen mit 3,4 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Rolf Baumann. Den dritten Platz sicherte sich Simon Lange mit 6,5 Sekunden Rückstand auf den Sieger.

Die ersten Rennen aller Klassen waren schonmal eine spannende Sache die einfach Lust auf mehr macht. Petrus hat ein einsehen mit Fahrern, Mechanikern und Zuschauern. Die Sonne lacht von einem leicht bewölkten Himmel. Wenn jetzt noch der kalte Wind nachlassen würde wäre es perfekt, aber man kann nicht alles haben. Immer noch besser als 2008 als am Renntag die hälfte der Rennen gestrichen werden musste weil beim Dauerregen ein Fahrer den Mageninhalt seines Motors in der ersten Schikane verteilt hatte und eine Wiederaufnahme der Rennen unmöglich machte.

Rennen 2 SuperSport 600:

Der Rennabbruch beim zweiten Rennen erfolgt schon in der ersten Kurve nachdem R. Berkau auf seiner Yamaha seinen Bremspunkt viel zu spät setzt und zwei weitere Fahrer zu Sturz bringt. Wieder profitieren Samuel und Stefan von Ihrer Erfahrung und kehren auf Platz 6 und 8 aus der ersten Runde nach dem Neustart zurück. Wie im ersten Rennen schaffen beide BlackBerry-Fahrer es nicht den stark fahrenden D. Kaßburg auf seiner Triumph Street Triple  abzuschütteln. Dieser schiebt sich immer wieder zwischen Samuel und Stefan und überquert im BlackBerry Sandwich den Zielstrich. Das zweite Rennen endet für Samuel auf Platz 6, für Stefan auf Platz 8.

Beide Fahrer haben, im Vergleich zum Ergebnis von 2009, Ihre Rundenzeiten und Endplatzierungen verbessert. Wenn beide Fahrer weiter Ihre Form steigern können ist 2011 mit einem Podestplatz für das BlackBerry racing-team fest zu rechnen.

Rennen1 Fischtown Super Bike Open:

Beim zweiten Rennen, das diesmal nicht unterbrochen wurde, konnte Erdin Platz 16 ins Ziel bringen. Nach spannendem Kampf mit J. Neumann auf Kawasaki ZX10 und J. Kaufholt auf BMW S 1000 RR konnte Erdin den BMW-Fahrer noch niederringen. Da die drei Fahrer in Ihre Positionskämpfe verstrickt waren verloren Sie den Anschluss nach vorn so dass eine bessere Platzierung für Erdin nicht mehr möglich war.

Eine Platzierung im vorderen Mittelfeld war bei diesem stark besetzten Starterfeld schon mal eine Standortbestimmung. 2011 muss sich dann zeigen ob es auch bei Erdin eine aufsteigende Leistungskurve gibt.

Supermoto Rennen 2, 24.05.:

Das zweite Rennen wurde um 14.00Uhr, mit der gleichen Startaufstellung wie Rennen 1, gestartet. Diesmal standen auch die im ersten Rennen nicht angetretenen Fahrer Thorsten Janssen (#171) auf Honda CR 500 SM und Paul Thiem (#111) auf KTM 450 SMR in der Startaufstellung. Nach 8 Runden gewann das Rennen, das diesmal nicht unfallbedingt unterbrochen werden musste, wiederum Patrick Zurfluh vor Rolf Baumann. Da dem Sieger bei diesem Rennen kein Fahrfehler unterlief konnte er sich einen 11 Sekunden-Vorsprung auf den zweitplatzierten erarbeiten. Den dritten Platz sicherte sich diesmal der aus Reihe 2 gestartete Jörg Hildebrand (#911) auf Aprilia SXV 550 der im ersten Rennen, leicht enttäuscht, auf Platz 7 über den Zielstrich kam. Auf Platz 5 hielt, wie im ersten Rennen, Tim Bendig (#99) auf Husquarna die „Bergos-Fahne“ hoch. Platz 5 hoch. Das Podest war somit in beiden Rennen auf den ersten Plätzen fest in Schweizer Hand.

Die Rennen sind gelaufen und die Abschlussrunden, die diesmal unter nur mäßiger Beteiligung der Fahrer stattfanden, liegen hinter uns. Ich stehe am Ende der langen Start- und Zielgeraden, um mich herum werden schon die Streckenbegrenzungen abgebaut und in den Fahrerlagern werden fast hektisch die Transporter beladen, und denke darüber nach in welcher Funktion ich wohl 2011 an dieser Stelle stehe. Wieder als Pixelfroster und Berichterstatter oder werde ich als Fahrer in der Supermotoklasse ins Renngeschehen eingreifen?

 

 
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